Interaktives Whiteboard im Unterricht? Entscheidungshilfen

Interaktives Whiteboard im Einsatz

Der Gebrauch eines Computers, eines Beamers und eines berührungsempfindlichen Bildschirmes, also eines interaktiven Whiteboards, erlaubt es, Informationen auf einem Computer-Bildschirm der ganzen Klasse nicht nur zu präsentieren, sondern auch interaktiv verfügbar zu machen.

Das Whiteboard ist ein immens vielseitiges Instrument, welches möglicherweise anstelle eines normalen Whiteboards/Tafel, Beamers, Tageslichtprojektors, Video/DVD Rekorders oder des Fernsehens eingesetzt werden kann.

Vorsicht: Software unterschiedlicher Whiteboard-Hersteller arbeitet nicht zwangsläufig zusammen. Festlegung auf einen Standard wäre hier zu empfehlen.


1. Technik

Zwei unterschiedliche Arten von Techniken:

  • Hartes Whiteboard (electromagnetic hard board): Spezieller Stift ist nötig!
  • Weiches Whiteboard (resistive soft board): Zweilagen-Luftpolster-System (keine speziellen Eingabegeräte)

Zwei unterschiedliche Arten des Aufbaus im schulischen Einsatz:

  • Mobiles Whiteboard
  • Festinstalliertes Whiteboard

Kriterien bei der Auswahl:

  • Größe des Klassenzimmers
  • Position des Beamers (Wagen oder fest an der Decke installiert)
  • Position im Raum
  • Größe der Schüler als Bedingung, wie und wo das Board an der Wand angebracht wird (Höhe)
  • Größe des Whiteboards bestimmt die Größe der Schrift (Lesbarkeit /Sichtbarkeit) der dargestellten Medien

Installation:

Aufbau und Einbau erfolgt durch die liefernde Fachfirma in Absprache mit der Schule. Folgende Punkte sind im Vorfeld zu bedenken:

  • Gesundheitsbestimmungen
  • Sicherheitsbestimmungen
  • Verkabelungsstandard
  • Elektrik
  • Anbindung an das Schulnetzwerk
  • Verteilung der Software für das Whiteboard über das Netz
  • Mitnahme des jeweiligen Lehrerprofils

2. Pflege und Wartung

  • Filterwechsel bei Beamer einmal pro Monat
  • Ersatzbirnen als Vorrat in der Schule
  • Kalibrieren des Whiteboards, wann immer nötig (größerer Aufwand bei mobilen Geräten)

3. Vorteile interaktiver Whiteboards im Unterricht

  • Der/die präsentierende/agierende Teilnehmer/in der Gruppe ist zentral und gut sichtbar für alle am Geschehen Beteiligten positioniert.
  • Der Einsatz des interaktiven Whiteboards im Unterricht ermöglicht den Zugang zu einer großen Vielfalt an Materialien. Beginnend mit Software, Webseiten, CD-ROMs, DVDs, Videos bis hin zum Fernsehen kann alles flexibel und interaktiv in der Gruppe genutzt werden.
  • Die Interaktivität ist ein großer Vorteil, da alle am Unterricht Beteiligten durch bloßes Berühren des Bildschirms Probleme lösen, Bilder verschieben und Strategien entwickeln können. Jeder einzelne Schritt kann dokumentiert und zu jeder Zeit wieder reproduziert werden.
  • Entwickelndes Lernen, Erarbeiten von Lösungsstrategien oder auch da ins Blaue hineindenken kann so mit einer größeren Gruppe gemeinsam erlebt und erarbeitet werden.
  • Schüler können mit dem Whiteboard interagieren, um z. B. ein mathematisches Problem zu lösen oder den Satzaufbau in der Fremdsprache handelnd zu üben.
  • Gemeinsam am Whiteboard erarbeitete Vorstellungen, Ideen oder auch Geschichten können sehr einfach von Einzelnen, Gruppen der ganzen Lerngruppe weiterbearbeitet und in individuelle Bahnen entwickelt werden.
  • Dies führt zu einer höheren Attraktivität und Motivation bei den Schülern, da hier einfach mehrere Lernkanäle angesprochen werden können.
  • Hierzu kann man natürlich noch alle Vorteile eines reinen Beamereinsatzes anführen.

4. Mögliche Nachteile interaktiver Whiteboards

Das Whiteboard ist ein sehr komplexes Instrument, welches die Funktionen vieler schon heute eingesetzter Geräte und Medien verbindet. Die sich daraus ergebenden Nachteile sollen im Folgenden kurz skizziert werden.


Mögliche Kritikpunkte in technischer und finanzieller Sicht:

  • Betriebssystemsoftware unterschiedlicher Whiteboardhersteller ist nicht zwingend kompatibel.
  • Zentralisierung des Unterrichtes auf ein Gerät/Medium führt zu einer großen Abhängigkeit.
  • Die Anschaffung eines Whiteboards bringt mit sich:

a) hohe Kosten

b) hohe Folgekosten (vgl. mobile Einheiten, z.B. Beamerlampen)

c) hohen Wartungsaufwand

d) das Risiko der Beschädigung im Klassenzimmer


Mögliche Kritikpunkte aus pädagogischer Sicht:

  • Gefahr der Verstärkung des Frontalunterrichts
  • Die Schüler müssen selbst weniger schriftlich arbeiten und gerade schwächeren Lerngruppen fehlt dann die Übung
  • Gefahr des reinen Konsums von Medien

5. Einsatz im Fremdsprachenunterricht z.B.: Vokabular

  • Vom Lehrer vorbereitetes Tafelbild mit neuem Wortschatz, das von Lehrer oder Schüler nacheinander aufgedeckt werden kann
  • Der fremdsprachliche Wortschatz in der linken Spalte, zur Erklärung Bilder oder Sätze in der Mittelspalte und in der rechten Spalte „Scrambled Word“ oder das entsprechende deutsche Wort eingetragen, ergibt sich ein klassisches Tafelbild
  • Der Lehrer ist zentral und gut sichtbar für alle am Geschehen Beteiligten positioniert, um Übungen wie gemeinsames Sprechen (Chor, Gruppen, usw.), sprachliches Spielen mit dem Wortschatz (Flüstern, Hinausschreien, etc.) initiieren zu können. Hier kann z.B. ein "native speaker" die Aufgabe des Sprachbeispieles in Abwechslung mit dem Lehrer geben. Zudem muss der Lehrer das neue Wortmaterial nicht an die Tafel schreiben oder ein Bild anzeichnen, sondern kann diese einfach an die Tafel „zaubern“. Auch können die Schüler die deutschen Entsprechungen schnell an die Tafel bringen
  • Nach dieser gemeinsamen Erarbeitungsphase haben die Schüler einen sauber lesbaren strukturierten Aufschrieb, den sie in ihr Vokabelheft handschriftlich übernehmen können. Weiterhin haben Schüler die Möglichkeit Versäumtes einfach nachzuholen und aufzuarbeiten (gemeinsame Datenbank)
  • In der folgenden Festigungsphase kann nun der Wortschatz, z.B. durch die „Wipe-out“-Technik in der Großgruppe weitergefestigt werden. Zuerst wird mit dem „Schwamm“ ein kleiner Teil des „Tafelbildes“ ausgelöscht. Einzelne Schüler oder eine Gruppe stellen mündlich die fehlenden Teile wieder her. Dies kann bis zu völlig weißen Tafel durchgeführt werden und deren Wiederherstellung. Schüler können jederzeit einen Abgleich mit dem originalen Tafelbild schaffen. Der Lehrer kann hier mehr und mehr zurücktreten
  • Als Abschluss der Stunde kann z.B. ein Kreuzworträtsel mit neuem und altem Wortschatz aufgerufen werden und in zwei Gruppen im Spiel der Wortschatz wiederholt werden

6. Literaturhinweise

Good Guide to Interactive Whiteboards, CD-ROM, National Endowment for Science, Technology and the Arts, UK
 http://www.thereviewproject.org/   http://www.teachernet.gov.uk/teachingandlearning/resourcematerials/   http://www.becta.org.uk/leaders/leaders.cfm?section=3_1&id=3173   http://www.ictadvice.org.uk/index.php?section=te&catcode=as-pres_02&rid=3


 

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